Misstrauen gegen staatliche Schulen: Boom der Internetschulen in Frankreich
Misstrauen gegen staatliche Schulen: Boom der Internetschulen in Frankreich
Der einst erstklassige Ruf des Schulsystems der Bildungsnation Frankreich stößt auf immer größeres Misstrauen in der Bevölkerung. Es sind jedes Jahr mehr Schüler, die ihrer Schulpflicht auf dem heimischen Sofa nachkommen.
Französische Privatschulen, die Fernkurse anbieten, verzeichnen in den letzten Jahren ein explosionsartiges Wachstum. Viele Eltern sind sich einig in der Ansicht, dass staatliche Schulen es nicht mehr schaffen, den Kindern im Laufe der ersten sechs Schuljahre notwendige Basiskenntnisse zu vermitteln. Diese Ansicht bestätigte bereits die damalige Bildungsminister Francois Fillon im Jahre 2005, als sie die Zahl auf 80.000 Kinder bezifferte, die die Grundschule ohne ausreichende Grundkenntnisse verlassen würden.
Dies ist ein elementarer Grund, warum immer mehr Eltern ihre Kinder für Fernkurse an Privatschulen anmelden, um ihnen so zukünftig bessere Chancen zu ermöglichen. Catherine Jousse, Chefin der Fernkursabteilung der traditionellen Pariser Privatschule Cours Hattemer dazu: „Diese Eltern sind keineswegs nur Städter aus den oberen Gesellschaftsschichten“.
Die Preise dieses Heimunterrichts belaufen sich auf bis zu 2000 Euro pro Jahr und Kind. Der Unterricht ist rechtlich legitim, wird jedoch vom Staat genau überwacht, um den Missbrauch durch Sekten zu unterbinden. Natürlich gilt auch im Fernunterricht der französische Pflichtlehrplan, der häufig von einem der Elternteile unterrichtet wird. Das Skurrile dabei: viele Heimschüler sind Kinder von Lehrern.